Wie Viele Krankheiten Gibt Es?

Wie Viele Krankheiten Gibt Es
Zahlreiche Seltene Krankheiten und viele betroffene Menschen Nur die einzelnen seltenen Krankheiten sind selten, alle zusammen sind sie äusserst zahlreich. Eine Krankheit gilt dann als selten, wenn sie höchstens fünf von 10 000 Personen betrifft. Bisher sind weltweit 6000 bis 8000 seltene Krankheiten beschrieben worden.

  1. Bislang wurden weltweit zwischen 6000 und 8000 seltene Krankheiten beschrieben.
  2. Die meisten von ihnen sind kaum erforscht, und praktisch täglich kommen neue dazu.
  3. In der Schweiz und in Europa gilt eine Krankheit als selten, wenn sie höchstens fünf von 10 000 Personen betrifft.
  4. Die Zahl der von einer einzelnen Krankheit betroffenen Menschen ist zwar tief.

Da es aber 7000 bis 8000 solcher Krankheiten gibt, dürften rund 7 Prozent der Bevölkerung betroffen sein. In unserem Land wird die Zahl der Patienten auf mehr als eine halbe Million Personen geschätzt (vgl. Nationales Konzept Seltene Krankheiten, Seite 6).

Wie viele Krankheiten gibt es auf der Welt?

Seltene Erkrankungen | ACHSE e.V. In Europa gilt eine Erkrankung als selten, wenn nicht mehr als 5 von 10.000 Menschen das spezifische Krankheitsbild aufweisen. Rund 30.000 Krankheiten sind weltweit bekannt, davon zählen etwa 8.000 zu den Seltenen Erkrankungen, auch » Orphan Diseases » genannt.

  • Etwa 80 Prozent der seltenen Krankheiten sind genetisch bedingt, daher machen sich viele schon bei der Geburt oder im frühen Kindesalter bemerkbar.
  • Andere entwickeln sich erst im Erwachsenenalter.
  • Viele dieser Krankheiten sind lebensbedrohlich oder führen zu Invalidität.
  • Die meisten verlaufen chronisch: Sie lassen sich nicht heilen, die Patienten sind dauerhaft auf ärztliche Behandlung angewiesen.

Der Weg zu einer Diagnose ist oftmals weit und wirksame Therapien sind rar. Die Behandlung und Betreuung erfordert von den Patienten und ihren Familien viel Kraft.

Welche Krankheit ist die seltenste?

Seltene Erkrankungen verändern den Alltag betroffener Familien radikal – Markus N. hat seine Tochter aus der Schule abgeholt. So, wie es viele Väter und Mütter tun, Elternalltag. Doch bei der Familie aus Heidelberg ist nichts alltäglich. Emilia hat eine schwere Krankheit, sitzt im Rollstuhl und nach der Schule setzt sich ein Leben fort, das nichts mit dem Alltag anderer Familien zu tun hat.

  • Emilia hat eine neurodegenerative Erkrankung: Die „Beta-Propeller-Protein-assoziierte Neurodegeneration», kurz „B-PAN» ist eine Krankheit, die nur 2 bis 3-mal pro 1 Million Geburten auftritt, eine der weltweit seltensten Erkrankungen.
  • In Deutschland gibt es nur einige Dutzend Fälle.
  • Die Krankheit prägt sich schon im frühen Kindesalter aus und führt zu einer Entwicklungsstörung: Emilia kann nicht laufen und nicht sprechen.

Wie bei vielen seltenen Erkrankungen geht Emilias Krankheit auf einen Gendefekt zurück. Der Stoffwechsel funktioniert wohl nicht richtg. Generell bauen sich aber im Laufe des Lebens auch die Nervenzellen im Gehirn immer weiter ab. Darauf, so erzählt Markus N., kann einen niemand vorbereiten. Der Alltag von Betroffenen und ihrer Familien verändert sich oft radikal. Oft sind es die Eltern betroffener Kinder, die sich für die weitere Erforschung einer seltenen Krankheit einsetzen.

Welche Krankheiten gibt es nur 150 Mal auf der Welt?

Erst war es nur ein Gefühl, viele Untersuchungen, Momente der Verzweiflung und unzählige Tränen später eine Diagnose: Tatton-Brown-Rahman-Syndrom (TBRS). Eine sehr seltene genetische Erkrankung, die nur rund 150 Menschen auf der Welt haben. Ein kleiner Mensch, der davon betroffen ist, wohnt mitten im Oderbruch. Zum Tag der seltenen Krankheiten am Sonntag gibt es weltweit Aktionen, an denen sich Ärzte, Wissenschaftler aber auch Betroffenen und ihre Familien beteiligen können. © Foto: rarediseaseday.org Zum Tag der seltenen Erkrankungen, der weltweit am letzten Tag des Monats Februar begannen wird und seltene Erkrankungen ins Licht der Öffentlichkeit rückt, berichtet eine Familie aus dem Oderbruch über ihr Leben vor und nach der Diagnose.

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Was ist die älteste Krankheit der Welt?

Historie der «biblischen Krankheit» Die Geschichte der Lepra ist eine Geschichte der Abgrenzung, der Angst und nicht zuletzt der medizinischen Überlegenheit. Lepra ist eine der ältesten Krankheiten der Menschheit. Erwähnt wird die Krankheit Lepra sowohl in der Bibel, als auch Hunderte Jahre v.Chr.

  • In indischen und chinesischen Überlieferungen sowie auf ägyptischen Papyri.
  • Die medizinisch belegbare Geschichte von Lepra beginnt 1873, als der Norweger Gerhard Armauer Hansen den auslösenden Krankheitserreger, das Mycobacterium leprae, entdeckt und erstmals beschreibt.
  • Die Krankheit Lepra wird deshalb zunächst auch noch Morbus Hansen oder schlicht Hansenkrankheit genannt.

Von Anfang an haben die Menschen vor der Krankheit Lepra große Angst. Die Folge ist eine über Jahrhunderte währende Politik der Isolation und rein symptomatische Therapie von Leprakranken in separaten Leprosorien. Die Jahrhunderte währende Politik der Isolation und rein symptomatischen Therapie von Lepra-Patientenin Leprosorien wurde 1941 mit dem ersten erfolgreichen Einsatz von Sulfonamiden durch den amerikanischen Mediziner Guy Henry Faget in Carville, Louisiana, (USA) revolutioniert.

Sein Kollege Cochrane Dapson führte 1947 das gleichnamige, bis heute bedeutsamste Sulfonamid in die Therapie ein und standardisierte sie. Mit Clofazimin (1962) und Rifampicin (1971) kamen die anderen beiden grundlegenden Chemotherapeutika hinzu. Die Anzüchtung von Mycobacterium leprae ist bisher in vitro nicht gelungen, wohingegen seit 1960 die Vermehrung in Mäusepfoten, seit 1971 im neunbändigen Gürteltier etabliert ist.1981 konnte der Erreger auch in Mangabey-Affen nachgewiesen werden.

In Zusammenarbeit mit Prof. Freerksen (Zentrum für Medizin und Biowissenschaften – Mykobakteriologie in Borstel/Schleswig-Holstein) entwickelte die DAHW, damals noch unter dem Namen „Deutsches Aussätzigen-Hilfswerk» in den 70er Jahren das Prinzip der simultanen Therapie der Lepra mit mehreren Antibiotika (MDT, multidrug therapy).

Die Behandlungserfolge in einem vieljährigen Feldversuch auf Malta waren überzeugend. Anknüpfend an diese Erfahrungen empfiehlt die WHO seit 1982 die Polychemotherapie in einer bis heute kaum abgewandelten Form. Lepra heute Sowohl die Diagnose als auch die Therapie sind heutzutage „einfach» durchführbar.

Kurz gesagt: Lepra ist heilbar – jedoch immer noch eine große Gefahr, gerade in den ärmsten Ländern der Welt. Jedes Jahr erkranken mehrere hunderttausend Menschen neu. Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO wurden im Jahr 2012 weltweit 232.857 Neuerkrankungen festgestellt.

Jeder zehnte neue Leprapatient ist ein Kind. Der effektivste Weg, weitere Übertragung der Krankheit zu verhindern und Behinderungen bei den Patienten zu vermeiden liegt in der Früherkennung der Krankheit und ihrer Behandlung. Gerade im Hinblick auf die immer noch anhaltende Stigmatisierung Leprakranker spielt die Aufklärung der Bevölkerung und die Integration von Menschen mit Behinderungen eine große Rolle.

Die DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe: 1957 gründete ein Freundeskreis um Hermann Kober in Würzburg angeregt durch bewegende Reiseberichte aus Äthiopien das DEUTSCHE AUSSÄTZIGEN-HILFSWERK. Der Name DAHW ist bis heute geblieben, wenn auch inzwischen die Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe dahintersteht.

Wie viele seltene Krankheiten gibt es?

Seltene Erkrankungen In der Europäischen Union (EU) gilt eine Erkrankung als selten, wenn nicht mehr als 5 von 10.000 Menschen von ihr betroffen sind. Da es mehr als 6.000 unterschiedliche Seltene Erkrankungen (SE) gibt, ist die Gesamtzahl der Betroffenen trotz der Seltenheit der einzelnen Erkrankungen hoch.

Allein in Deutschland leben Schätzungen zufolge etwa vier Millionen Menschen mit einer Seltenen Erkrankung, in der gesamten EU geht man von 30 Millionen Menschen aus. Seltene Erkrankungen bilden eine Gruppe von sehr unterschiedlichen und zumeist komplexen Krankheitsbildern. Die meisten Seltenen Erkrankungen verlaufen chronisch, gehen mit gesundheitlichen Einschränkungen und/oder eingeschränkter Lebenserwartung einher und führen häufig bereits im Kindesalter zu Symptomen.

Etwa 80 Prozent der Seltenen Erkrankungen sind genetisch bedingt oder mitbedingt, selten sind sie heilbar. Seltene Erkrankungen weisen einige Besonderheiten auf: Dazu zählen vordringlich die geringe Anzahl an Betroffenen mit einer bestimmten Seltenen Erkrankung und die überregionale Verteilung, was auch die Durchführung von Studien erschwert.

Darüber hinaus gibt es meist nur eine geringe Anzahl von räumlich verteilten Expertinnen und Experten, die Menschen mit der jeweiligen Seltenen Erkrankung versorgen können und die Erkrankung weiter erforschen. Auch sind die Wege zu guten Behandlungs- und Versorgungsmöglichkeiten nicht immer auf Anhieb ersichtlich.

Dies kann dazu führen, dass die Betroffenen sich mit ihrer Erkrankung alleine gelassen fühlen und die Diagnose erst deutlich verzögert gestellt wird. Die Seltenheit der einzelnen Erkrankungen erschwert also aus medizinischen und ökonomischen Gründen häufig die Forschung und die medizinische Versorgung der betroffenen Patientinnen und Patienten.

  • Diagnose und Therapie der Erkrankungen stellen alle Beteiligten (Betroffene, Angehörige, medizinisches, therapeutisches und pflegerisches Personal) vor besondere Herausforderungen.
  • Die medizinische Versorgung von Patientinnen und Patienten und der Zugang zu Ärztinnen und Ärzten, Fachärztinnen und Fachärzten und Spezialkliniken sind in Deutschland gut.

Neue innovative Arzneimittel – auch solche, die speziell zur Behandlung Seltener Erkrankungen auf den Markt gebracht werden – stehen den Patientinnen und Patienten schnell zur Verfügung. Zur frühzeitigen Diagnostik gibt es Screening-Programme, mit denen bestimmte Seltene Erkrankungen zuverlässig erkannt und umgehend behandelt werden können, wie zum Beispiel die Phenylketonurie.

Das Neugeborenen-Screening erfasst 16 Zielerkrankungen, von denen die meisten selten sind. Das BMG hat im August 2009 einen Forschungsbericht mit dem Titel «Maßnahmen zur Verbesserung der gesundheitlichen Situation von Menschen mit Seltenen Erkrankungen in Deutschland» veröffentlicht. Ziel war es, die derzeitige Versorgungssituation für Menschen mit Seltenen Erkrankungen in Deutschland zu analysieren, prioritäre Handlungsfelder sowie Verbesserungsvorschläge abzuleiten und Lösungsszenarien zu entwickeln.

Die Studie kommt zusammenfassend unter anderem zu folgenden zentralen Ergebnissen:

Im pluralistisch strukturierten Gesundheitswesen Deutschlands können nachhaltige Verbesserungen in Prävention, Diagnostik und Therapie Seltener Erkrankungen nur dann erreicht werden, wenn es gelingt, Initiativen zu bündeln und ein gemeinsames, koordiniertes und zielorientiertes Handeln aller Akteure zu bewirken.

Zur Verbesserung der gesundheitlichen Situation im Bereich der Seltenen Erkrankungen kann die Einführung eines Nationalen Aktionsplans für Menschen mit Seltenen Erkrankungen sinnvoll sein. Dieser sollte eng mit den entsprechenden Entwicklungen auf EU-Ebene korrespondieren. Dieser Nationale Aktionsplan wurde am 28. August 2013 der Öffentlichkeit vorgestellt.

Auf Initiative des BMG wurde mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und dem ACHSE e.V. (Allianz Chronischer Seltener Erkrankungen), einem Dachverband von Selbsthilfeorganisationen aus dem Bereich Seltener Erkrankungen, das Nationale Aktionsbündnis für Menschen mit Seltenen Erkrankungen (NAMSE) gegründet.

  • Es besteht aus 28 Bündnispartnern (Spitzen- und Dachverbände der wesentlichen Akteure im Gesundheitswesen).
  • Im August 2013 wurde der Nationale Aktionsplan für Menschen mit Seltenen Erkrankungen mit 52 Maßnahmenvorschlägen veröffentlicht.
  • Im November 2019 wurde auf der Internetseite des NAMSE ein Statusbericht zur Umsetzung der Maßnahmenvorschläge veröffentlicht.

Übergeordnetes Ziel dieses Aktionsplans ist es, die gesundheitliche Situation Betroffener in Deutschland zu verbessern. Kernelement ist die Entwicklung eines Zentrenmodells in drei arbeitsteilig gegliederten miteinander vernetzten Ebenen (Referenz-, Fach- und Kooperationszentren), mit dem Expertise gebündelt und die Forschung im Bereich Seltener Erkrankungen unterstützt werden soll.

Wie viele Krankheiten gibt es in Deutschland?

Selten heißt in der EU: Weniger als 5 von 10.000 Menschen sind von einer bestimmten Erkrankung betroffen. Manche Seltenen Erkrankungen betreffen bis zu 40.000 Patienten in Deutschland, unter anderen leiden nur einzelne oder wenige Dutzend Menschen. Schätzungsweise rund 4 Millionen Menschen in Deutschland leiden an einer Seltenen Erkrankung. Im Schnitt vergehen 5 Jahre bis zu richtigen Diagnose. Die moderne Medizin vermag Lebensqualität und Lebenserwartung der Betroffenen deutlich zu steigern, zum Beispiel können Patienten mit Mukoviszidose mittlerweile über 40 Jahre alt werden.1938 betrug die durchschnittliche Lebenserwartung gerade einmal 6 Monate. Rund 8.000 verschiedene Erkrankungen in Deutschland gelten als selten. Manche sind seit Jahrzehnten bekannt, Jahr für Jahr werden aber auch Krankheiten erstmals beschrieben. Von den Seltenen Erkrankungen sind rund 80 Prozent genetisch bedingt. Die überwiegende Mehrzahl verläuft chronisch, mit schweren Einschränkungen in Alltagsgestaltung und Lebensqualität sowie deutlich verkürzter Lebenserwartung.

Was ist die teuerste Krankheit?

Die teuersten Leiden sind die Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Im Einzelnen entfielen auf Bluthochdruckleiden (Hypertonie) 8,1 Milliarden Euro, auf zerebrovaskuläre Erkrankungen wie beispielsweise Schlaganfälle 7,8 und auf ischämische Herzkrankheiten wie Herzinfarkte sieben Milliarden Euro.

Was ist die häufigste tödliche Krankheit?

Betrachtet man die Letalitätsraten, sind Lungenpest, Tollwut, Schlafkrankheit sowie Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (CJK) die tödlichsten Infektionskrankheiten weltweit.

Was ist die seltenste Erbkrankheit?

Seltene Erkrankungen Etwa vier Millionen Menschen leben in Deutschland schätzungsweise mit einer seltenen Erkrankung. In der Europäischen Union gilt eine Erkrankung als selten, wenn nicht mehr als 5 von 10.000 Menschen in der EU von ihr betroffen sind.

  1. Seltene Krankheiten sind meistens genetisch bedingt und oft chronisch, sie verlaufen fortschreitend und senken häufig die Lebenserwartung.
  2. Es gibt verschiedene seltene Erkrankungen, die zu einer Leberschädigung führen können.
  3. Dabei werden angeborene Krankheiten unterschieden von Erkrankungen, die infektiöse oder toxische Ursachen haben.

Die Problematik bei seltenen Lebererkrankungen besteht darin, dass die meist genetisch bedingten Krankheiten häufig keine spezifischen Symptome verursachen und daher sehr schlecht zu diagnostizieren sind. Die Kupferspeicherkrankheit (Morbus Wilson, Wilson-Krankheit) ist eine sehr seltene Erbkrankheit, an der etwa einer von 30.000 Menschen leidet.

  1. Die Ursache ist eine Veränderung im Erbgut, die dazu führt, dass der Körper Kupfer nicht in ausreichendem Maße ausscheiden kann.
  2. Bei den Betroffenen sammelt sich Kupfer unter anderem in der Leber.
  3. Im Verlauf kann die Kupferkonzentration einen toxischen Wert erreichen und zu einer akuten oder chronischen, Fibrose und führen.

Auch im Gehirn, den Nieren und der Hornhaut des Auges finden sich Kupfereinlagerungen und können dort Schäden verursachen. Die Krankheit führt unbehandelt fast immer zum Tod. Eine frühzeitige Diagnose und Therapie verbessern die Lebenserwartung und können Leberschäden sowie neurologischen Erkrankungen vorbeugen.

Die Behandlung besteht in der Regel zunächst in der Einnahme von Tabletten (Chelatoren), die über eine Kupferbindung dessen Ausscheidung in den Urin erhöhen und so überschüssiges Kupfer abbauen. Seit Kurzem sind zwei Trientine-Präparate in Deutschland erhältlich. Neue Medikamente werden aktuell erprobt und haben in Studien vielversprechende Ergebnisse und neue Daten geliefert.

Die Medikamente waren gut verträglich und einfach zu dosieren. Zukünftig könnten alternative Erhaltungstherapien für den Morbus Wilson zugelassen werden, die – neben dem Verzicht auf kupferreiche Nahrungsmittel – die leitliniengerechte Therapie in Deutschland ergänzen.

See also:  Wie Viele TeelFfel Sind Ein EsslöFfel?

Porphyrien sind ebenfalls Stoffwechselerkrankungen. Hier können verschiedene Schritte im Aufbau des roten Blutfarbstoffs Häm betroffen sein, wodurch sich sehr unterschiedliche klinische Symptome erklären. Durch angeborene Veränderungen in bestimmten Enzymen, die dann nicht ausreichend arbeiten, kann es zu einem Aufstau von Häm-Vorläufersubstanzen kommen, die für verschiedene Symptome an Haut und im Magen-Darm-Trakt verantwortlich sind.

Die für die Leber relevante Porphyrie ist die akute intermittierende Porphyrie. Bei dieser ist ein Enzym mit dem Namen Porphobilinogen-Desaminase in der Leber verändert. Seit 2020 ist mit Givosiran ein neuer Wirkstoff für die Behandlung dieser Porphyrie zugelassen, der ein Gen vorübergehend stumm schaltet, sodass die Häm-Vorläufer nicht mehr so zahlreich anfallen und die Symptome gelindert werden.

Die Diagnose einer Porphyrie erfolgt durch den Nachweis von Porphyrin-Vorläuferstufen im Urin oder Blut. Man unterscheidet verschiedene Formen der Porphyrie. Symptome manifestieren sich häufig in Schüben. Auslöser können Infektionen, Alkohol, Rauchen aber auch bestimmte Medikamente sein. Der Alpha-1 Antitrypsin-Mangel ist eine angeborene Stoffwechsel-Erkrankung, die in Deutschland wahrscheinlich mehr als 10.000 Menschen betrifft.

Verschiedene Veränderungen in der Erbsubstanz führen zu einer gestörten Sekretion und Funktion des Enzyms Alpha-1-Antitrypsin, was Lungenerkrankungen zur Folge haben kann. In der Leber, wo Alpha-1-Antitrypsin gebildet wird, kann die gestörte Ausschleusung aus der Zelle zu einem Zellschaden führen.

  • Das kann im Laufe von Jahren in einer Leberzirrhose münden.
  • Das Risiko für eine Leberzirrhose hängt vom Genotyp, das heißt der Art der genetischen Veränderung, ab.
  • Eine therapeutische Gabe von Alpha-1-Antitrypsin kann für die Lungenerkrankung hilfreich sein, ist für die Lebererkrankung aber nicht wirksam.

Die Erkrankung der Leber kann letztlich nur durch eine Lebertransplantation behandelt werden. Substanzen, die – wie bei der Porphyrie – auf Gen-Stummschaltung beruhen und die Lebererkrankung verbessern könnten, sind aktuell in der klinischen Forschung.

  • Die Zöliakie (Sprue) ist eine immunologisch bedingte Glutenunverträglichkeit, die primäre Entzündungsreaktionen im Dünndarm verursacht.
  • Die Zöliakie tritt meist im Säuglings- und Kleinkindalter erstmalig auf, kann aber in jedem Alter diagnostiziert werden.
  • Neben klassischen Symptomen wie Durchfall, Blähungen, Anämie oder Kleinwuchs wird bei den Betroffenen häufig eine Erhöhung der Aktivität von Transaminasen im Serum beobachtet, die auf eine Entzündung der Leber hindeutet.

Diese Erhöhung der Transaminasenaktivität kann der initiale Hinweis auf eine Zöliakie sein. Bei unklarer Lebererkrankung sollte der Arzt auch an eine Zöliakie denken. Häufig kommt es unter glutenfreier Kost zu einer Normalisierung der Transaminasen. Eine lebenslange glutenfreie Ernährung kann Komplikationen verhindern.

Zur Vorbeugung von Mangelerkrankungen können Vitaminpräparate eingenommen werden. Die Zystische Fibrose (CF) oder Mukoviszidose ist eine autosomal-rezessiv vererbte Stoffwechselerkrankung, die durch einen Gen-Defekt des CFTR-Gens verursacht wird. Dieser Defekt führt zu einer Funktionsstörung des gleichnamigen Chlorid-Ionen-Kanals der Zellmembran und geht mit der Produktion von zähen Sekreten der exokrinen Drüsen einher.

Betroffen sind meistens die Epithelien der Atemwege, der Gallenwege, der Pankreasgänge, des Dünndarms, der Samenleiter und der Schweißdrüsen. Die Zystische Fibrose kann eine fortschreitende Pankreasschädigung herbeiführen, wobei es zunächst zu einer Malabsorption mit Fettstühlen und Dystrophie (exokrine Pankreasinsuffizienz) kommt.

Im Verlauf kann sich ein Diabetes mellitus (endokrine Pankreasinsuffizienz) entwickeln. Die Viskositätssteigerung des biliären Sekrets führt häufig zu einer und zu einer fortschreitenden, im Verlauf gegebenenfalls mit portaler Hypertension. in Deutschland gehört die Zystische Fibrose seit September 2016 zu den im Neugeborenen-Screening erfassten Erkrankungen.

Im fortgeschrittenen Krankheitsverlauf sind die Betroffenen häufig auf eine Leber- und/oder Lungentransplantationen angewiesen. Eine Komplikation einer Leberzirrhose kann sein, dass sich ein erhöhter Blutdruck im Pfortadersystem einstellt, weil aufgrund der Lebervernarbung das Blut nicht mehr ungehindert von Darm und Milz durch die Leber fließen kann.

Ein Pfortaderhochdruck kann in seltenen Fällen auch entstehen, wenn keine Leberzirrhose vorliegt. Ursache für diese nicht-zirrhotische portale Hypertension kann die Einnahme von bestimmten Medikamenten sein. Warum Medikamente zu einem erhöhten Blutdruck in der Pfortader führen, ist bisher nur zum Teil erforscht.

Im Rahmen des verminderten Blutflusses in die Leber kann es im Verlauf von Jahren zum Wachstum von Leberzellen kommen, es entwickeln sich „regenerative Hyperplasien» die Tumore vortäuschen können, aber nicht bösartig sind. Das lebenswichtige Organ Leber verfügt über eine doppelte Blutversorgung.

  1. Zwei Drittel des Blutzuflusses in die Leber werden über die Pfortader (Versorgung mit Nährstoffen) transportiert.
  2. Die Leberarterie liefert die restliche Blutmenge (Versorgung mit Sauerstoff).
  3. Die Lebervenen drainieren die Leber in die untere Hohlvene.
  4. Bei zunehmenden Blutfluss in der Portalvene, nimmt der arterielle Fluss gleichzeitig ab – und umgekehrt.

Dieses Blut-Versorgungssystem gewährleistet bei gesunden Menschen einen begrenzten Schutz vor Ischämien. Obwohl die Leber über die beschriebene duale Blutversorgung verfügt, kann das metabolisch aktive Organ Leber geschädigt werden. Risikofaktoren sind unter anderem Ischämie (Minderdurchblutung / Durchblutungsausfall), eine gestörte venöse Drainage und spezifische vaskuläre Schädigungen.

  1. Als lysosomale Speicherkrankheiten werden vererbte Stoffwechselerkrankungen bezeichnet, bei denen Fehlfunktionen im Lysosom (Zellorganelle) vorliegen.
  2. Das Lysosom ist in der Zelle für den Abbau von verschiedenen Substanzen zuständig.
  3. Werden diese Substanzen nicht mehr abgebaut, reichern sich diese in der Zelle an, was zu deren Schädigung führen kann.

Ursächlich sind angeborene Veränderungen einzelner Enzyme, die im Lysosom wirken. Die Diagnose dieser Erkrankungen erfolgt über die Messung des verminderten Enzyms im Blut, gefolgt von der Suche nach den Veränderungen im entsprechenden Gen. Der Enzym- und Gen-Test ist heute über einen aus der Fingerbeere entnommenen Bluttropfen möglich (Trockenblut-Test); man kann gleichzeitig nach Morbus Gaucher, Morbus Niemann-Pick und Lysosomale saure Lipase-Defizienz (LAL-D) suchen.

  1. Viele der lysosomalen Speicherkrankheiten kann man heute mit einer Enzymersatztherapie erfolgreich behandeln.
  2. Eine Fettlebererkrankung kann auch die Folge einer anderen Ursprungserkrankung sein wie beispielsweise LAL-Mangel.
  3. Dies sollte insbesondere bei schlanken Patienten mit ausgeprägter Fettleber berücksichtigt werden.

Diese autosomal rezessiv vererbte Fettspeicherkrankheit kann unter anderem zu einer Lebererkrankung führen. Unter normalen Bedingungen produziert der Körper Lysosomale Saure Lipase (Lysosomal Acid Lipase = LAL), welche Fette spaltet. Bei einem LAL-Mangel kann der Körper nicht genug oder gar keine Enzyme produzieren und es kommt zur Speicherung der nicht abgebauten Fette im Körper.

Neben den Blutgefäßen kann vor allem die Leber von der übermäßigen Ansammlung von Fetten betroffen sein. Je weniger Enzym im Körper gebildet werden kann, desto früher tritt die Krankheit auf und desto schwerer sind die Symptome. Die sehr seltene, besonders frühe Verlaufsform des LAL-Mangels, die sogenannte „Wolman-Krankheit», tritt bereits in den ersten Lebensmonaten nach der Geburt auf und führt sehr rasch zum Leberversagen.

Die verzögert oder später eintretende Verlaufsform des LAL-Mangels, die „Cholesterinester-Speicherkrankung» (CESD), kommt etwas häufiger vor. Sie kann im Erwachsenenalter zu einer Leberfibrose und dann Leberzirrhose führen. Insgesamt ist der LAL-Mangel eine extrem seltene Krankheit – nach der Definition, dass davon weniger als 20 Patienten je Million Menschen der Allgemeinbevölkerung betroffen sind.

Neben dem LAL-Mangel gibt es eine Vielzahl weiterer seltener Lysosomaler Speicherkrankheiten, viele davon treten bereits im Kindesalter auf, wie der „Morbus Gaucher», bei dem sich durch erblichen Mangel des Enzyms Glucocerebrosidase nicht abgebaute Membranbestandteile in Fresszellen anhäufen und zu Schäden, unter anderem auch in der Leber, führen können: Die Leber kann sich deutlich vergrößern und die doppelte Größe einer gesunden Leber erreichen.

Dadurch dehnt sich der Bauch aus, sodass ein Druckgefühl im Bauchraum entsteht Bei unspezifischen Beschwerden sollte der behandelnde Arzt auch an eine Kontrolle der denken und als Ursache in Betracht ziehen. Viele seltene Leberkrankungen sind behandelbar.

  1. Unter dem Begriff autoimmune Lebererkrankungen wird eine Gruppe von Lebererkrankungen zusammengefasst, die sich im Krankheitsverlauf und in der Ausprägung unterscheiden, jedoch in einem wesentlichen Punkt eine Gemeinsamkeit haben: Das körpereigene Immunsystem ist fehlgesteuert.
  2. Örpereigene Strukturen werden als „körperfremd» identifiziert und bekämpft.

Zu den autoimmunen Lebererkrankungen gehören die (AIH), die (PBC) und die (PSC). Aktuelle Presseinformationen der Deutschen Leberstiftung zum Thema seltene Lebererkrankungen finden Sie hier: (22.02.2021) : Seltene Erkrankungen

Welche Krankheiten gab es 1600?

Felicitas Söhner Seuchen, gefährliche Infektionskrankheiten mit der Tendenz zur Massenausbreitung, sind in Europa seit der Jungsteinzeit belegt. Bis in die Neuzeit ist die Art der Erkrankungen allerdings oft nur mit Hilfe von Archäologie und Naturwissenschaften zu klären, weil die Schriftquellen begrifflich unscharf bleiben.

  1. Neben der Pest, die sich in Bayern seit römischer Zeit immer wieder in regionalen Ausbrüchen manifestiert, traten seit dem Mittelalter Lepra, Cholera, der „Englische Schweiß», Fleckfieber, Ruhr, Typhus und Pocken, ab dem späten 15.
  2. Jahrhundert auch die Syphilis als Seuchen auf.
  3. Mangels Kenntnissen zum Infektionsgeschehen bestanden Gegenmaßnahmen lange in Stigmatisierung und Isolierung der Kranken, von Seiten der Bevölkerung in religiösen Ritualen (Wallfahrten, Anrufung der „Pestheiligen»), aber auch in der Suche nach Sündenböcken (z.B.

Juden). Obrigkeitliche Abwehrstrategien in Gestalt von Pestmandaten, die u.a. Einreiseverbote und Quarantänevorschriften enthielten, oder Medizinalordnungen zur Ausbildung von Ärzten und Apothekern kamen erst ab Ende des 15. Jahrhunderts zum Tragen. Die größten demographischen und wirtschaftlichen Folgen hatten die Pestausbrüche im 14.

1 Definition und Begriffsabgrenzung (Endemie, Epidemie, Pandemie) 2 Quellenlage und kritische Einordnung 3 Vorgeschichte und Antike 4 Mittelalter (6. bis Anfang 16. Jahrhundert)

4.1 Auftreten von Seuchen (geographische und zeitliche Räume) 4.2 Maßnahmen und Bewältigungsstrategien (gesellschaftlich, organisatorisch, städtebaulich) 4.3 Auswirkungen von Seuchen (wirtschaftlich, politisch, gesellschaftlich)

5 Frühe Neuzeit (Anfang 16. bis Ende 18. Jahrhundert)

5.1 Auftreten von Seuchen (geographische und zeitliche Räume) 5.2 Maßnahmen und Bewältigungsstrategien (gesellschaftlich, organisatorisch, städtebaulich) 5.3 Auswirkungen von Seuchen (wirtschaftlich, politisch, gesellschaftlich)

6 Forschungsgeschichte 7 Literatur 8 Quellen 9 Weiterführende Recherche 10 Externe Links 11 Verwandte Artikel 12 Empfohlene Zitierweise

Was war die schlimmste Krankheit im Mittelalter?

Epidemien im Mittelalter: „Es herrschte das Gefühl einer bevorstehenden Apokalypse» © imago images / Christian Ohde Die Ringvorlesung „Seuche und Krankheit, Heilung und Genesung» des Zentrums für Mittelalter- und Renaissancestudien der LMU beleuchtet ab 21. Oktober 2021 die kulturellen und sozialen Auswirkungen längst vergangener Epidemien.

  • Mitorganisator PD Dr.
  • Johannes Klaus Kipf vom Institut für Deutsche Philologie spricht im Interview über vorwissenschaftliche Heilversuche, verlassene Dörfer und eine dramatische Entsolidarisierung der Gesellschaft. Herr Dr.
  • Ipf, mit welchen Epidemien kämpften die Menschen in Mittelalter und Renaissance? Klaus Kipf : Leider – wegen der schlechten hygienischen und medizinischen Zustände – mit sehr vielen.

Am prominentesten ist wohl die Pest, die in großen Wellen durch Europa zog, insbesondere der „Schwarze Tod» um 1348. Heutigen Schätzungen zufolge könnte sie ein Drittel der Europäer das Leben gekostet haben. An nächster Stelle, aber kontinuierlicher, trat im Mittelalter die Lepra auf.

Für diesen sogenannten „Aussatz» – eine bakterielle Infektionskrankheit, die auch Verstümmelungen hervorruft, – wurden sogenannte „Siechenhäuser» eingerichtet, die auch in Literatur und Kunst immer wieder vorkommen. Ende des 15. Jahrhunderts erreichte dann zum ersten Mal die Syphilis sehr prominent Europa.

Dazu grassierten Infektionskrankheiten wie das Fleckfieber, bis ins 19. Jahrhundert dann immer wieder der Typhus und schließlich die Cholera. Titelbild eines Syphilistraktats von Ulrich von Hutten aus dem Jahr 1519 | © Staats- und Stadtbibliothek Augsburg Wie erklärten sich die Menschen damals solche Krankheiten? Die medizinischen und naturwissenschaftlichen Theorien entsprachen dem mittelalterlichen, aus heutiger Sicht „vorwissenschaftlichen» Wissensstand und waren nicht empirisch fundiert – in unserer Ringvorlesung wird sich die Historikerin Katharina Wolff damit befassen.

  1. So gingen Ärzte von vier verschiedenen „Säften» im Körper aus, die es im Gleichgewicht zu halten gelte.
  2. Gerade im Zusammenhang mit der Pest glaubte man, dass bestimmte giftige Dämpfe diese Verhältnisse im Körper störten.
  3. Deshalb riet man den Menschen, aus den ungesunden Städten auf die Landgüter zu ziehen, wie auch Boccaccio das in seinem Vorwort zu Decamerone beschreibt.

Auf der anderen Seite standen theologische Deutungen: Priester fanden Parallelen zu biblischen Geschichten wie den Zehn Plagen Ägyptens. Krankheiten deuteten sie demnach als Strafen Gottes, etwa für Sünde, Laster und Verstöße gegen die Gebote Gottes. Nicht zuletzt glaubte man aber auch an astrologische Zusammenhänge: Kometen oder „ungünstige» Konstellationen am Sternenhimmel wurden als Vorboten oder gar Auslöser von Seuchen und Kriegen gedeutet.

  1. Die Heilungsversuche der zeitgenössischen Medizin waren aus heutiger Sicht genauso vorwissenschaftlich wie die Erklärungen: Aderlass etwa, und gegen die Pest zum Beispiel das Mitführen angenehmer Düfte.
  2. Johannes Klaus Kipf Wie reagierten Menschen auf diese Krankheiten? Eine soziale Reaktion etwa während der Lepra war die Absonderung – heute würde man sagen Selbstisolation – der Kranken in sogenannten „Siechenhäusern».

Zu Pest-Zeiten mussten Schiffsbesatzungen in den Häfen noch 40 Tage an Bord ausharren – daher rührt noch unser heutiger Ausdruck „Quarantäne». Die Heilungsversuche der zeitgenössischen Medizin waren aus heutiger Sicht genauso vorwissenschaftlich wie die Erklärungen: Aderlass etwa, und gegen die Pest zum Beispiel das Mitführen angenehmer Düfte.

  • Dazu kamen religiöse Maßnahmen – Gottesdienste, Bußrituale, Pilgerfahrten oder die Selbstgeißelung.
  • Das alles entsprach dem damaligen Wissensstand, mit dem Mediziner und Gelehrte den Krankheiten aber natürlich hilflos gegenüberstanden.
  • Die große Entvölkerung, die mit den Krankheiten einherging, führte zu dramatischen Veränderungen der Gesellschaftsstruktur.

Ganze Viertel oder Dörfer waren wüst und leer, Felder wurden nicht mehr bestellt, was wiederum zu Hungersnöten führte. Johannes Klaus Kipf Wie veränderten solche Epidemien die Gesellschaften? Zum einen führte die große Entvölkerung, die mit ihnen einherging, zu dramatischen Veränderungen der Gesellschaftsstruktur.

  1. Ganze Viertel oder Dörfer waren wüst und leer, Felder wurden nicht mehr bestellt, was wiederum zu Hungersnöten führte.
  2. Und dass so viele geliebte Menschen fehlten, führte neben aller Trauer auch zum Gefühl einer bevorstehenden Apokalypse.
  3. Was die Chronisten und Literaten zudem gerade während des „Schwarzen Todes» beklagten, war eine dramatische Entsolidarisierung der Gesellschaft.

Die Menschen starben so schnell an dieser Infektion, dass sie ihren moralischen, religiösen und gesellschaftlichen Pflichten im Anblick des Todes nicht mehr nachzukommen schienen. Stattdessen versuchten sie, sich selbst zu retten, oder, wenn das aussichtslos war, sich die verbleibende Zeit so angenehm wie möglich zu machen.

  • Inwieweit sind historische Epidemien für Ihre eigene Disziplin, die Sprachwissenschaft, interessant? Zunächst stellen viele Begriffe in den historischen Quellen – wie Pest, Aussatz, Syphilis – lediglich Überlieferungen dar, keine definitiven Diagnosen.
  • Weil die meisten historischen Krankheiten sich nicht mehr anhand biologischer Überreste klären lassen, können auch Medizinhistoriker sich ihnen nur annähern.

Zudem variierten die Bezeichnungen oft von Nation zu Nation: Die Syphilis etwa wurde in vielen Ländern Europas als „Morbus Gallicus» bezeichnet, die ‚französische Krankheit‘, in Frankreich selbst aber als „Mal de Naples» – ‚Krankheit von Neapel‘. Durchgesetzt hat sich schließlich der Begriff Syphilis, der auf einer mythologischen Interpretation basiert: Syphilos ist der Liebhaber der Schweine. Dr. Johannes Klaus Kipf | © hansherbigphotography Ihr eigener Vortrag beleuchtet „Die Seuche als Medienereignis – Die erste europäische Syphilis-Epidemie in Text und Bild». Wie muss man sich ein Medienereignis im 15. Jahrhundert vorstellen? Der erste große Ausbruch der Syphilis fiel etwa in die Zeit der Entdeckung Amerikas und zugleich des Übergangs von der Handschrift zum Buchdruck.

  1. Vor Gutenbergs Erfindung hatten vor allem fahrende Sänger, Boten zu Pferd oder reisende Kaufleute Neuigkeiten übermittelt.
  2. Doch während der ersten Syphilis-Fälle erzeugten die Pressen in Europa schon im schnellen Takt Flugblätter: In Gedichten, Bildern und kurzen Texten wurde darin, auch auf Lateinisch, über die Seuche und ihre Gefahren aufgeklärt.
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Ende des 15., Anfang des 16. Jahrhunderts gab es dann erste Traktate, in denen Menschen ihre persönlichen Erfahrungen mit der Syphilis schilderten – darunter mit grausamen Heilversuchen wie der Quecksilber-Einreibung. Das erinnert entfernt an Posts über Covid-19 auf sozialen Medien.

Was lässt sich aus Erfahrungen früherer Epidemien für die heutige lernen? Diese Frage kann ich nur aus persönlicher Sicht beantworten, aber natürlich vor dem Hintergrund meiner Forschung: Wenn ich die historischen Quellen über mittelalterliche Seuchen wieder beiseitelege und in meinen modernen Alltag zurückkehre, ist das stärkste Gefühl Dankbarkeit.

Dankbarkeit für die hohen hygienischen Standards heutzutage und eine medizinische Wissenschaft, die Krankheitserreger im Labor identifizieren kann – und in bewundernswertem Tempo Impfstoffe dagegen entwickelt. Weitere Infos zur Ringvorlesung „»: Die Themen der Vortragenden – von Historikern über Literatur- und Musikwissenschaftler bis hin zu Byzantinisten – ziehen sich von der Justinianischen Pest über die Epidemie im Heer Kaiser Friedrich Barbarossas bis zur Semantik spätmittelalterlicher Beichtdiskurse.

Ist Lepra heute heilbar?

Zahlen, Daten, Fakten – Lepra ist eine Infektionskrankheit, deren Erreger die Haut und das Nervensystem befällt und diese zerstört. Obwohl das Lepra-Bakterium (Mycobacterium leprae) schon 1873 von dem norwegischen Arzt Gerhard Armauer Hansen entdeckt wurde, ist es bis heute nicht gelungen, den Erreger auf Kulturböden zu züchten und einen Impfstoff gegen Lepra zu entwickeln.

  1. Die Inkubationszeit beträgt im Durchschnitt drei bis vier Jahre, kann aber auch bis zu 30 Jahre betragen.
  2. Die Weltgesundheitsorganisation WHO zählt Lepra zu den 20 vernachlässigten Tropenkrankheiten (Neglected Tropical Diseases, NTDs).
  3. Obwohl Lepra eine der ältesten bekannten Krankheiten der Menschheitsgeschichte ist, ist der genaue Ansteckungsweg immer noch nicht bekannt.

Hier besteht dringender Forschungsbedarf. Die WHO hat Lepra mittlerweile als Tröpfcheninfektion klassifiziert, jedoch muss der Kontakt zu einem erkrankten Menschen eng und längerfristig sein – eine Berührung allein führt noch nicht zu einer Infektion.

Andauernder Stress, Mangelernährung, schlechte Hygienebedingungen, beengte Wohnverhältnisse oder unsauberes Trinkwasser: Schlechte sog. soziale Determinanten schwächen das Immunsystem eines Menschen und begünstigen die Ansteckung mit Lepra. Darum gilt auch diese NTD als armutsassoziiert und tritt vor allem in Ländern des Globalen Südens auf.

Im Mittelalter war die Lepra auch in Europa ein großes Problem. Doch mit der Verbesserung der allgemeinen Lebensbedingungen verschwand diese „Krankheit der Armut». Die Krankheit beginnt im Frühstadium mit sichtbaren Hautflecken, weshalb sie auch oft mit anderen Hautkrankheiten verwechselt wird.

  • Im weiteren Verlauf bilden sich Beulen und Knoten auf der Haut und auf Dauer Nervenschäden: Die Betroffenen verlieren das Gefühl in ihren Händen oder Füßen.
  • Verletzungen oder Verbrennungen werden aufgrund des mangelnden Schmerzempfindens nicht genügend beachtet.
  • Unbehandelt können sich die Wunden entzünden, es kann zu chronischen Geschwüren, Behinderungen und zum Verlust der Gliedmaßen kommen, die eine Berufstätigkeit nicht mehr zulassen.

Nach dem Ausbruch der Erkrankung kann Lepra mit einfachsten Mitteln, zum Beispiel mit einem Stift, diagnostiziert werden: Wenn Betroffene mit verschlossenen Augen eine leichte Berührung auf einem typischen Hautfleck nicht spüren, ist eine Erkrankung sehr wahrscheinlich.

Der Nachweis einer Lepra-Infektion – vor dem Krankheitsausbruch – ist hingegen deutlich schwieriger, aktuell werden geeignete Verfahren erforscht. In Verbindung mit der langen Inkubationszeit von bis zu 20 Jahren wäre es ein wichtiger Meilenstein im Kampf gegen Lepra, auch sog. latente Lepra-Infektionen diagnostizieren zu können: Denn Betroffene verbreiten den Erreger, bevor sie die Krankheit an sich selbst bemerken.

Ja, seit 1982 gibt es eine Kombinationstherapie (Multidrug-Therapy, MDT) aus einem Mix der Antibiotika Rifampicin, Dapson und Clofazimin. Sie wurde mit finanzieller sowie fachlicher Unterstützung der DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe im Forschungszentrum Borstel entwickelt.

  • Nach einer erfolgreichen Studie auf Malta ist die MDT seit 1983 weltweiter Standard der WHO und muss sechs bis zwölf Monate eingenommen werden.
  • Damit sind alle Lepra-Patient*innen heilbar.
  • Nach wie vor werden von Lepra betroffene Menschen ausgegrenzt und in manchen Ländern sogar gesetzlich diskriminiert.

Beispielsweise aus religiösen Gründen (im Mittelalter galt die Lepra auch bei uns als „Strafe Gottes») oder aufgrund der tief sitzenden Angst vor einer Krankheit, die den Menschen so grausam zeichnen kann. In der Folge verheimlichen Betroffene ihre Infektion.

  1. Die zu späte oder gänzlich ausbleibende Behandlung führt zu irreversiblen Behinderungen, mit denen die Betroffenen ihr Leben lang leben müssen.
  2. Viele Patient:innen haben aber auch keinen Zugang zu einer medizinischen Behandlung, sei es wegen einer (leprabedingten) Behinderung oder wegen fehlender Infrastrukturen in der Gesundheitsversorgung.

Nicht zuletzt fehlt es weltweit auch bei medizinischen Fachkräften an Wissen über Lepra. Betroffene werden nicht oder zu spät diagnostiziert und behandelt. Aufklärungsarbeit, aktive Fallsuche in entlegenen Regionen und die Ausbildung von Gesundheitspersonal zählen daher zu den zentralen Elementen in der Lepra-Arbeit der DAHW.

Dank einer auch von der DAHW mitfinanzierten Studie konnte 2016 bewiesen werden, dass durch die Einmalgabe des Antibiotikums Rifampicin an Kontaktpersonen von Lepra-Patient:innen die Ansteckung verhindert werden kann. Seit 2017 empfiehlt die WHO diese sog. Post-Expositions-Prophylaxe (PEP) unter Berücksichtigung festgelegter Kriterien.2019 startete die DAHW gemeinsam mit der niederländischen Leprahilfe NLR, den jeweiligen Nationalen Gesundheitsprogrammen und der Erasmus-Universität in Rotterdam ein weiteres Forschungsprojekt, um herauszufinden, wie diese Einmalgabe an Kontaktpersonen als standardisierte Prophylaxe-Maßnahme in nationalen Gesundheitsprogrammen eingeführt werden kann.

Auch 2019 hat die Weltgesundheitsorganisation WHO weltweit wieder mehr als 200.000 Neuerkrankungen registriert. Zwar sind das etwa 6.000 weniger als im Vorjahr, doch wenn sich der Trend fortsetzt, werden auch in 50 Jahren noch Menschen mit Lepra und in der Folge viele mit schwersten Behinderungen leben müssen.

  • Lepra ist heilbar und kein Mensch müsste mehr an der Krankheit und ihren Folgen wie Ausgrenzung, Behinderung und Armut leiden.
  • Zudem werden viele Fälle nach wie vor erst dann gefunden, wenn die Lepra-Erkrankung bereits zu Behinderungen geführt hat.
  • Die Statistik für das Jahr 2020 wird wahrscheinlich noch weniger Fälle aufweisen.

Jedoch nicht, weil sich tatsächlich weniger Menschen infizieren, sondern weil coronabedingte Kontaktbeschränkungen und Ausgangssperren die Fallsuche zusätzlich erschweren.95 Prozent aller Neuerkrankungen traten in Ländern des „globalen Südens» auf: Auch 2019 führen Indien mit 114.451 und Brasilien mit 27.863 erfassten Neuerkrankungen die Statistik wieder mit weitem Abstand an.

Entgegen der allgemeinen Entwicklung haben sich die Fälle in Brasilien sogar erhöht. Doch trotz der hohen Fallzahlen gilt die Lepra nach WHO-Kriterien – maximal 1 Fall pro 10.000 Einwohner:innen – aufgrund der Bevölkerungsdichte in Indien offiziell als eliminiert. Doch alle Angaben in der WHO-Lepra-Statistik sind mit Vorsicht zu genießen: Es ist zu vermuten, dass sie in Wirklichkeit noch um ein Vielfaches höher sind.

So wollen viele von Lepra betroffene Menschen aufgrund der Stigmatisierung der Krankheit nicht erkannt bzw. erfasst werden. Auch halten manche Regierungen die nationalen Statistiken unter Verschluss oder führen keine verlässlichen Register, weil Lepra mit Armut in Verbindung gebracht wird und man sich um das Ansehen des Staates sorgt.

War die Pest ansteckend?

Dauer der Ansteckungsfähigkeit – Die Lungenpest ist von Mensch zu Mensch übertragbar. Eine Übertragung durch infizierte Personen, die noch keine Symptome entwickelt haben, ist nicht dokumentiert. Unbehandelte Personen sind ansteckungsfähig, solange sie symptomatisch sind.72 Stunden nach Beginn einer klinisch wirksamen Therapie ist nicht mehr von einer Ansteckungsfähigkeit auszugehen.

Welche Krankheit lange au?

Ranking Top 10 Krankheiten – Platz #1 : Der mit Abstand größte Anteil an Arbeitsunfähigkeitstagen ist auf Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems zurückzuführen (2017: 21,8 Prozent; 2015: 21,7 Prozent). Den größten Teilkomplex stellen dabei Rückenerkrankungen dar.

Durchschnittlich blieben Betroffene pro Krankheitsfall 18 Tage der Arbeit fern. Platz #2 : Psychische Erkrankungen gehören zu den zweithäufigsten und auch kostenintensivsten Erkrankungen, da sie pro Krankheitsfall durchschnittlich 38 Tage dauern. Zwischen 2011 und 2017 nahmen Depressionen, Angst-, Belastungs- und neurotische Störungen als Ausfallgründe um 3,3 Prozent zu (2011: 13,4 Prozent; 2017: 16,7 Prozent).

Entsprechend stellen immer mehr Ärzte Krankmeldungen wegen Burnout aus, Aufgrund der Ausfalldauer gehören psychische Erkrankungen nicht nur zu den häufigsten, sondern auch zu den kostenintensivsten Erkrankungen. Platz #3: Atemwegserkrankungen belegen mit 15,4 Prozent (2017) den dritten Platz.

Mehrheitlich handelt es sich dabei um leichte Erkrankungen wie akute Infektionen der oberen Atemwege oder akute Bronchitis, wie die vergleichsweise kurze durchschnittliche Falldauer von 6,5 Tagen beweist. Platz #4: Der vierthäufigste Grund für Fehltage waren Verletzungen und Vergiftungen (2017: 11,9 Prozent).

Ihr Anteil nahm seit 2011 um zwei Prozent ab. Die durchschnittliche Arbeitsunfähigkeit betrug hier 20,2 Tage. Auffällig: Verletzungen führen zu einer häufigeren Arbeitsunfähigkeit bei jungen Menschen, was auf das Freizeitverhalten und eine größere Risikofähigkeit zurückzuführen ist.

  1. Platz #5: Probleme im Bereich des Verdauungssystems landen mit 5,0 Prozent im Jahr 2017 auf Rang fünf der Diagnosen, aufgrund derer Versicherte am häufigsten im Job fehlten.
  2. Damit ist ihr Anteil am Krankenstand im Vergleich zu 2011 um 1,0 Prozentpunkte gesunken.
  3. Überraschenderweise sind auch eher junge Menschen betroffen, so sind 7,5% der 15- bis 19-Jährigen betroffen, aber nur 4,1 Prozent der über 60-Jährigen.

Platz #6: Anteilsmäßig gingen 4,7 Prozent (2017) aller Krankmeldungen beim Arbeitgeber auf das Konto von Infektionen und parasitären Krankheiten. Pro Infekt fehlten Erkrankte mindestens fünf Tage im Beruf. Platz #7: Erkrankungen des Nervensystems, der Augen und Ohren waren 2017 für 4,5 Prozent aller Arbeitsausfalltage verantwortlich.

Von dieser Diagnose waren Frauen häufiger betroffen. Sie blieben allerdings der Arbeit kürzer fern als erkrankte Männer. Platz #8: Mit 4,4 Prozent im Jahr 2017 zählen auch Neubildungen (u.a. bösartige Krebserkrankungen) zu den Top-Diagnosen, die in Fehltagen resultierten. Im Schnitt fielen Betroffene pro Erkrankung 38 Tage im Job aus.

Platz #9: Beschwerden am Kreislaufsystem waren 2017 für 4,1 Prozent aller Arbeitsunfähigkeitstage verantwortlich. Das stellt einen Rückgang um 0,2 Prozentpunkte im Vergleich zu den Vorjahren dar. In die Kategorie fallen vor allem Bluthochdruck, Diabetes, Herzinfarkte und Schlaganfälle. Wie Viele Krankheiten Gibt Es Quelle: DAK Gesundheitsreport 2018

Was schadet der Gesundheit am meisten?

Risikofaktoren für die Gesundheit: Was sagen diese aus? Berlin, 31.03.2021 – Wer sich über eine Erkrankung informiert, stolpert häufig über den Begriff „Risikofaktor». Doch: welche gesundheitlichen Risikofaktoren gibt es? Wie ermittelt man sie und worauf sollte ich achten, wenn ich mich zu meinem persönlichen Risiko informiere? Eine Erklärung am Beispiel Rauchen.

Unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden unterliegen den unterschiedlichsten Einflüssen. Auf einige davon können wir selbst einwirken, auf andere nicht. Übergewicht, Rauchen oder Bewegung sind Beispiele für Verhaltensweisen, die man selbst beeinflussen kann. Das Alter oder genetische Voraussetzungen dagegen sind nicht beeinflussbar.

Trotz allem können all diese Beispiele Auswirkungen auf die Gesundheit haben. In der Medizin spricht man daher von Risikofaktoren. Laut einem WHO-Bericht zu globalen Gesundheitsrisiken von 2009 können rund ein Drittel aller weltweiten Todesfälle auf letztlich zehn Risikofaktoren zurückgeführt werden.

  1. Bei acht davon handelt es sich um sogenannte beeinflussbare Risikofaktoren, also Faktoren, auf die man selbst einwirken kann.
  2. In Deutschland zählen laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) u.a.
  3. Ungesunde, Bluthochdruck,, und übermäßiger Alkoholkonsum zu den häufigsten verhaltensbedingten Risikofaktoren.

Auf welche Risikofaktoren Sie selbst Einfluss nehmen können, um die unterschiedlichen Auswirkungen auf die Gesundheit zu verringern: Eine ungesunde Ernährung kann ein Risikofaktor darstellen. Laut WHO konsumieren die Menschen mehr energiereiche Nahrung als empfohlen.

  • Aber wer mehr Fette, Zucker und Salze zu sich nimmt als empfohlen und zu wenig Obst, Gemüse und Ballaststoffe wie Vollkornprodukte isst, hat ein hohes Risiko einer Gewichtszunahme, was wiederum ein Risikofaktor für weitere Folgeerkrankungen sein kann.
  • Zudem steigt bei einer unausgewogenen das Risiko auf verschiedene Krebsarten.

Von spricht man, wenn eine dauerhafte Erhöhung des Blutdrucks in den Arterien des Körperkreislaufs vorliegt. Diese kann begünstigt werden durch Risikofaktoren wie Alter oder Geschlecht, aber auch durch ungesunde Ernährung. Wird der Blutdruck langfristig nicht gesenkt, können Folgeerkrankungen am, an den Gefäßen, an der Niere oder an den Augen auftreten.

  1. Das Deutsche Krebsforschungszentrum der Helmholtz-Gemeinschaft (dkfz) beschreibt im Tabakatlas 2020, dass einer der größten Risikofaktoren für gesundheitliche Erkrankungen ist.
  2. Im Tabakrauch befinden sich zahlreiche giftige und krebserregende Stoffe, weshalb langfristiger Tabakkonsum deutliche Auswirkungen auf die Gesundheit haben kann.

Neben Lungenkrebs können bei Raucherinnen und Rauchern Folgeerkrankungen wie Herzinfarkte, oder Stoffwechselerkrankungen auftreten. Körperliches Übergewicht wird durch einen übermäßig hohen Fettanteil verursacht. In manchen Fällen handelt es sich dabei um die Vorstufen einer,

  1. In beiden Fällen stellt ein zu hohes Körpergewicht auf der einen Seite langfristig ein Risikofaktor für z.B.
  2. Stoffwechselerkrankungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder eine Knie- oder Hüftarthrose dar.
  3. Auf der anderen Seite gibt es Risikofaktoren, die wiederum Übergewicht begünstigen, wie z.B.
  4. Das Geschlecht, die Einnahme von Medikamenten oder ein Rauchausstieg.

Wer zu viel trinkt, riskiert schwerwiegende gesundheitliche Folgen. Laut BZgA nimmt in erster Linie die Leber Schaden. Es steigt aber auch das Risiko auf Krebserkrankungen, Bluthochdruck, einer dauerhaften Schädigung des oder Übergewicht, was wiederum ebenfalls ein Risikofaktor darstellt.

Einige Risikofaktoren können wir allerdings nicht beeinflussen – wenn es sich z.B. um das Alter, das Geschlecht oder die genetische Veranlagung handelt. Risikofaktoren werden auf Basis von Studien ermittelt, deren Ergebnisse statistisch ausgewertet werden. In der Regel vergleicht man eine Gruppe, z.B. Raucher, mit einer Kontrollgruppe, z.B.

Nichtrauchern. Dabei schaut man, wie häufig eine vorher bestimmte Krankheit ausgebrochen ist. Aus diesen beiden Patientengruppen errechnet sich dann der Faktor für das relative Risiko, an einer bestimmten gesundheitlichen Störung zu erkranken. Die Ermittlung des Risikofaktors am Beispiel Rauchen: Ob Raucher oder Nichtraucher – grundsätzlich hat jeder Mensch ein bestimmtes Risiko, im Laufe seines Lebens an Lungenkrebs zu erkranken.

Wer mit dem Rauchen anfängt, erhöht bekanntlich sein Risiko, Lungenkrebs zu bekommen. Großbritannien 1947: Zwei Wissenschaftler treibt eine wichtige Frage um: Warum sind in den letzten Jahren so viel mehr Männer an Lungenkrebs gestorben als zuvor? Genau genommen sechs Mal mehr als noch vor knapp 20 Jahren! Sie befragen an Lungenkrebs Erkrankte im Krankenhaus rückblickend zu ihren Lebensgewohnheiten.

Man spricht von einer „Fallkontrollstudie». Schnell stellt sich dabei ein Zusammenhang zwischen Rauchen und der Erkrankung heraus. Doch ist damit schon bewiesen, dass Rauchen ein Risikofaktor ist? Die Ergebnisse werden angezweifelt, u.a. weil auch Menschen erkranken, die nicht rauchen.

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Daher führen die beiden Wissenschaftler im nächsten Schritt eine sogenannte Kohortenstudie durch: Sie beobachten dabei Ärzte über mehrere Jahre in der „British Doctor’s Study»: Wie viele von ihnen rauchen und sterben an Lungenkrebs? Und wie viele versterben an Lungenkrebs, ohne je geraucht zu haben? Auch in dieser Studie zeigt sich ein Zusammenhang.

Schritt für Schritt nehmen Ärzteverbände und Politik Empfehlungen und Maßnahmen zum Rauchstopp auf. War also der Beweis erbracht, dass Rauchen ein Risikofaktor für Lungenkrebs ist? Die höchste Beweiskraft in der haben sogenannte randomisiert-kontrollierte Studien.

Doch aus ethischen Gründen können die Wissenschaftler sie in diesem Fall nicht durchführen, denn sie würden die Teilnehmer absichtlich einer Gefahr aussetzen. Man war also auf Beobachtungsstudien wie die „British Doctor’s Study» angewiesen. Sie wurde verlängert und konnte Anfang 2000 auf 50 Jahre Forschung zurückblicken.

Wie kann man herausfinden, ob ein Faktor tatsächlich das Risiko erhöht, eine bestimmte Krankheit zu bekommen oder an ihr zu versterben? Dafür können sogenannte Beobachtungsstudien durchgeführt werden. Bei einer Beobachtungsstudie wird eine bestimmte Anzahl an Menschen über einen längeren Zeitraum beobachtet, bspw.

  1. In dem man sie regelmäßig nach ihren Verhaltensweisen fragt.
  2. Das können unter anderem Schlafgewohnheiten, sportliche Aktivität, die Ernährung oder auch das Konsumverhalten sein.
  3. So kann an unserem Beispiel mit einer Beobachtungsstudie geprüft werden, ob Rauchen ein Risikofaktor für das Sterben an Lungenkrebs darstellt oder nicht: In die Beobachtungsstudie wird eine ausreichend große Anzahl an Menschen aufgenommen, z.B.10.000 Erwachsene.

Wichtig ist, dass diese Menschen zu Beginn der Studie noch keinen Lungenkrebs haben. Im nächsten Schritt werden die Probanden gefragt, ob sie Raucher oder Nichtraucher sind. Nun werden sie über einen vorher festgelegten Zeitraum beobachtet. In unserem Fall sind es zehn Jahre.

Immer, wenn jemand während dieser Zeit an Lungenkrebs stirbt, wird dies notiert. Am Ende der Studie wird gezählt, wie viele Lungenkrebs-Todesfälle unter den Nichtrauchern und den Rauchern auftreten. Sie werden zur jeweiligen Gesamtzahl der Teilnehmer ins Verhältnis gesetzt. So lässt sich das Risiko berechnen, als Nichtraucher an Lungenkrebs zu versterben und das Risiko, als Raucher an Lungenkrebs zu sterben.

Diese zwei Risiken werden verglichen. Dabei kommt heraus, dass das Risiko an Lungenkrebs zu versterben in der Gruppe der Raucher größer ist als in der Gruppe der Nichtraucher: Es steht also fest, dass Rauchen einen Risikofaktor für das Sterben an Lungenkrebs darstellt.

  1. Aus einer solchen Beobachtungsstudie kann auch das Ausmaß der Risikoerhöhung ermittelt werden: Dafür gibt es verschiedene mathematische Herangehensweisen: Das absolute Risiko ist die Wahrscheinlichkeit, dass unter bestimmten Bedingungen bei einem Menschen gesundheitliche Auswirkungen auftreten.
  2. Dazu ermittelt man in unserem Beispiel das Verhältnis aller im Zeitraum an Lungenkrebs Erkrankten im Verhältnis zu allen Beobachteten.

Eine Studie aus dem Jahr 2008 zeigt sehr anschaulich, wie Rauchen als „absoluter» Risikofaktor berechnet wird: Im Laufe des Lebens verstarben 8 von je 1.000 Nichtrauchern an Lungenkrebs. Unter den Rauchern verstarben 119 von je 1.000 Personen an Lungenkrebs.

Das heißt, es starben 111 von je 1.000 Menschen im Laufe ihres Lebens mehr an Lungenkrebs aufgrund von Rauchen. Diese Zahlen zeigen, dass Rauchen ein Risikofaktor für das Sterben an Lungenkrebs darstellt. Das relative Risiko ist die Wahrscheinlichkeit, dass es in einer Gruppe von Menschen verglichen mit einer anderen Gruppe mit unterschiedlichen Verhaltensweisen, physikalischen Bedingungen oder unterschiedlichen Umgebungen zu einem bestimmten Ergebnis kommt.

Es drückt also aus, um welchen Faktor sich ein Risiko in zwei Gruppen unterscheidet. Man vergleicht dabei zwei absolute Risiken miteinander. Am Beispiel Rauchen würde man demnach berechnen, um das wieviel-fache sich das Sterberisiko erhöht, wenn man raucht, im Vergleich zum Risiko eines Nichtrauchers.

Das bezeichnet man dann als „relatives Risiko». Liegt das Sterberisiko eines Nichtrauchers bei 0,8%, so sind es bei Rauchern 11,9% – und damit etwa 15-mal so hoch. Hinweis: Wenn man in Medien über Studienergebnisse liest, wird oft über relative Risiken berichtet. Doch ohne den Kontext des absoluten Risikos kann eine solche Information in die Irre führen.

Absolute Risikozahlen sind erforderlich, um das Ausmaß des relativen Risikos einzuschätzen, und zu verstehen, wie bestimmte Faktoren und Verhaltensweisen die Wahrscheinlichkeit der Entwicklung einer Erkrankung oder Gesundheitszustände beeinflussen können.

Woher weiß man, dass es wirklich am Rauchen liegt, wenn Menschen ein erhöhtes Risiko haben, an Lungenkrebs zu versterben? Diese Frage kann aus Beobachtungsstudien so nicht beantwortet werden! Sobald nämlich von Risikofaktoren gesprochen wird, ist eine Ursachen-Wirkungs-Beziehung per se nicht gegeben.

Ein Beispiel: Menschen, die dem Beruf des Schlossers nachgehen, müssen viel Schweißarbeit verrichten. Dabei atmen sie oft kleinste Metall-Partikel ein, die Lungenkrebs verursachen können. Dann könnte das erhöhte Lungenkrebs-Sterberisiko unter den Rauchern in der Studie eigentlich am Schweißen statt am Rauchen gelegen haben.

  1. Beobachtungsstudien können demnach zwar wichtige Hinweise geben, aber keine konkrete Antwort darauf, ob eine bestimmte Verhaltensweise tatsächlich zu einer bestimmten Erkrankung führt.
  2. Die beste Lösung in der Wissenschaft, um eine Ursache-Wirkungs-Beziehung zu untersuchen, ist die randomisiert-kontrollierte Studie.

Doch dieses Verfahren ist hier nicht möglich, denn: Die Forscher dürfen aus ethischen Gründen Menschen nicht wissentlich einer Gefahr aussetzen, was beim Rauchen der Fall wäre. Daher müssen andere Wege gefunden werden, um anhand von Beobachtungsstudien Aussagen zur Ursache-Wirkungs-Beziehung machen zu können.

Zeitliche Abfolge: Der Risikofaktor muss dagewesen sein, bevor die Erkrankung aufgetreten ist. Man hat also geraucht, bevor man Lungenkrebs bekommen hat. Dosis-Wirkungs-Beziehung: Je mehr man dem Risikofaktor ausgesetzt ist, desto höher sollte das Erkrankungs-Risiko sein. Je mehr Zigaretten pro Tag geraucht werden, umso höher ist das Risiko, im Laufe des Lebens an Lungenkrebs zu erkranken. Schlüssige Ergebnisse über verschiedene Studien hinweg: Unabhängig von der Studie und dem Studienort sollten ähnliche Ergebnisse erzielt werden. Ursache-Wirkungs-Beziehung sollte biologisch erklärbar und einleuchtend sein: So werden z.B. auf Zell-Ebene Versuche mit Zigarettenrauch durchgeführt. Diese beweisen, dass die Zellen durch Tabakrauch Schäden im Erbgut davontragen und Krebs bilden können. Sauber durchgeführte Studien: Die Studien sollten methodisch gut durchgeführt worden sein. Dann können Fehler in den Ergebnissen besser ausgeschlossen werden. So können Zufälle wie oben beschrieben (mit der erhöhten Anzahl an Schlössern in der einen Gruppe) mathematisch ausgeglichen werden.

All diesen Hinweisen wurde auch im Fall Rauchen als Risikofaktor für Lungenkrebs nachgegangen. Dabei hat sich gezeigt, dass eine Ursache-Wirkungs-Beziehung in diesem Fall angenommen werden kann. Man geht also davon aus, dass Rauchen zu Lungenkrebs führen kann.

Genauso wie mittlerweile als gesichert gilt, dass Rauchen auch für andere ursächlich sein kann. Dazu zählen z.B. die Chronisch Obstruktive Lungenerkrankung (COPD) und die Arterienverkalkung (Atherosklerose). Laut Tabakatlas 2020 des dkfz sind in Deutschland rund 80 Prozent aller Lungenkrebsfälle auf das Rauchen zurückzuführen.

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Was ist die häufigste Krankheit auf der Welt?

Infektionen mit dem Norovirus sind global die häufigste Infektionskrankheit (Stand: 2018). Jährlich erkranken rund 685 Millionen Menschen an einer Infektion mit dem Norovirus.

Welche ist die häufigste Krankheit der Welt?

Was sind die Leiden der Menschheit? 1800 Wissenschaftler haben das in einer groß angelegten Studie untersucht. Auf Platz eins steht Karies an bleibenden Zähnen. Diese Studie umfasst Daten aus 195 Ländern.1800 Wissenschaftler haben daran mitgewirkt. Eins der Ergebnisse ist: Als weltweit nicht-chronische Krankheit kommt am häufigsten die Erkältung vor.17,2 Milliarden Infektionen der oberen Atemwege wurden gezählt, und zwar sowohl bei Europäern, Australiern und Amerikanern als auch bei Afrikanern und Asiaten.

Karies in den bleibenden Zähnen (2,3 Milliarden) Spannungs-Kopfschmerzen (1,5 Milliarden) Blutarmut durch Eisenmangel (1,47 Milliarden) Hörschäden (1,2 Milliarden) Migräne (959 Millionen) Genitalherpes (846 Millionen) Sehprobleme (819 Millionen) Infektion mit Spulwürmern (762 Millionen)

Die Studie gibt einen umfassenden Einblick über den Zustand der Weltbevölkerung. Die Daten lassen sich aber auch nach Ländern aufgeschlüsselt betrachten. Platz acht der häufigsten chronischen Erkrankungen zum Beispiel – die Spulwürmer im Darm – kommen eher in den Tropen vor, wo es sehr heiß ist.

Wie viele seltene Krankheiten gibt es?

Seltene Erkrankungen In der Europäischen Union (EU) gilt eine Erkrankung als selten, wenn nicht mehr als 5 von 10.000 Menschen von ihr betroffen sind. Da es mehr als 6.000 unterschiedliche Seltene Erkrankungen (SE) gibt, ist die Gesamtzahl der Betroffenen trotz der Seltenheit der einzelnen Erkrankungen hoch.

  1. Allein in Deutschland leben Schätzungen zufolge etwa vier Millionen Menschen mit einer Seltenen Erkrankung, in der gesamten EU geht man von 30 Millionen Menschen aus.
  2. Seltene Erkrankungen bilden eine Gruppe von sehr unterschiedlichen und zumeist komplexen Krankheitsbildern.
  3. Die meisten Seltenen Erkrankungen verlaufen chronisch, gehen mit gesundheitlichen Einschränkungen und/oder eingeschränkter Lebenserwartung einher und führen häufig bereits im Kindesalter zu Symptomen.

Etwa 80 Prozent der Seltenen Erkrankungen sind genetisch bedingt oder mitbedingt, selten sind sie heilbar. Seltene Erkrankungen weisen einige Besonderheiten auf: Dazu zählen vordringlich die geringe Anzahl an Betroffenen mit einer bestimmten Seltenen Erkrankung und die überregionale Verteilung, was auch die Durchführung von Studien erschwert.

Darüber hinaus gibt es meist nur eine geringe Anzahl von räumlich verteilten Expertinnen und Experten, die Menschen mit der jeweiligen Seltenen Erkrankung versorgen können und die Erkrankung weiter erforschen. Auch sind die Wege zu guten Behandlungs- und Versorgungsmöglichkeiten nicht immer auf Anhieb ersichtlich.

Dies kann dazu führen, dass die Betroffenen sich mit ihrer Erkrankung alleine gelassen fühlen und die Diagnose erst deutlich verzögert gestellt wird. Die Seltenheit der einzelnen Erkrankungen erschwert also aus medizinischen und ökonomischen Gründen häufig die Forschung und die medizinische Versorgung der betroffenen Patientinnen und Patienten.

Diagnose und Therapie der Erkrankungen stellen alle Beteiligten (Betroffene, Angehörige, medizinisches, therapeutisches und pflegerisches Personal) vor besondere Herausforderungen. Die medizinische Versorgung von Patientinnen und Patienten und der Zugang zu Ärztinnen und Ärzten, Fachärztinnen und Fachärzten und Spezialkliniken sind in Deutschland gut.

Neue innovative Arzneimittel – auch solche, die speziell zur Behandlung Seltener Erkrankungen auf den Markt gebracht werden – stehen den Patientinnen und Patienten schnell zur Verfügung. Zur frühzeitigen Diagnostik gibt es Screening-Programme, mit denen bestimmte Seltene Erkrankungen zuverlässig erkannt und umgehend behandelt werden können, wie zum Beispiel die Phenylketonurie.

Das Neugeborenen-Screening erfasst 16 Zielerkrankungen, von denen die meisten selten sind. Das BMG hat im August 2009 einen Forschungsbericht mit dem Titel «Maßnahmen zur Verbesserung der gesundheitlichen Situation von Menschen mit Seltenen Erkrankungen in Deutschland» veröffentlicht. Ziel war es, die derzeitige Versorgungssituation für Menschen mit Seltenen Erkrankungen in Deutschland zu analysieren, prioritäre Handlungsfelder sowie Verbesserungsvorschläge abzuleiten und Lösungsszenarien zu entwickeln.

Die Studie kommt zusammenfassend unter anderem zu folgenden zentralen Ergebnissen:

Im pluralistisch strukturierten Gesundheitswesen Deutschlands können nachhaltige Verbesserungen in Prävention, Diagnostik und Therapie Seltener Erkrankungen nur dann erreicht werden, wenn es gelingt, Initiativen zu bündeln und ein gemeinsames, koordiniertes und zielorientiertes Handeln aller Akteure zu bewirken.

Zur Verbesserung der gesundheitlichen Situation im Bereich der Seltenen Erkrankungen kann die Einführung eines Nationalen Aktionsplans für Menschen mit Seltenen Erkrankungen sinnvoll sein. Dieser sollte eng mit den entsprechenden Entwicklungen auf EU-Ebene korrespondieren. Dieser Nationale Aktionsplan wurde am 28. August 2013 der Öffentlichkeit vorgestellt.

Auf Initiative des BMG wurde mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und dem ACHSE e.V. (Allianz Chronischer Seltener Erkrankungen), einem Dachverband von Selbsthilfeorganisationen aus dem Bereich Seltener Erkrankungen, das Nationale Aktionsbündnis für Menschen mit Seltenen Erkrankungen (NAMSE) gegründet.

Es besteht aus 28 Bündnispartnern (Spitzen- und Dachverbände der wesentlichen Akteure im Gesundheitswesen). Im August 2013 wurde der Nationale Aktionsplan für Menschen mit Seltenen Erkrankungen mit 52 Maßnahmenvorschlägen veröffentlicht. Im November 2019 wurde auf der Internetseite des NAMSE ein Statusbericht zur Umsetzung der Maßnahmenvorschläge veröffentlicht.

Übergeordnetes Ziel dieses Aktionsplans ist es, die gesundheitliche Situation Betroffener in Deutschland zu verbessern. Kernelement ist die Entwicklung eines Zentrenmodells in drei arbeitsteilig gegliederten miteinander vernetzten Ebenen (Referenz-, Fach- und Kooperationszentren), mit dem Expertise gebündelt und die Forschung im Bereich Seltener Erkrankungen unterstützt werden soll.

Welche Krankheit gibt es am meisten?

Unter oftmals chronischen nichtübertragbaren Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Krebs oder Depressionen leidet die Bevölkerung am häufigsten. Die Infektionskrankheiten sind nicht verschwunden und werden oft spezifisch überwacht.

Krankheiten und gesundheitliche Probleme

In den letzten 12 Monaten, in % (2017) Männer Frauen
Arthrose, (rheumatische) Arthritis 10,2 18,6
Heuschnupfen, Allergien 22,2 25,7
Depression 5,3 7,9
Asthma 4,6 5,6
Osteoporose 0,8 5,4
Krebs, Tumor 1,8 1,5
Chronische Bronchitis, Emphysem 2,1 2,6
Herzinfarkt 0,7 0,3
Schlaganfall 0,4 0,4

Bevölkerung ab 15 Jahren in Privathaushalten Quelle: SGB